Studienfahrt der Klasse 9a nach Dachau und München


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„Was wir jetzt brauchen, ist eine Form des Gedenkens, die zuverlässig in die Zukunft wirkt. Vor allem geht es darum, eine dauerhafte Form zu finden. Denn wir brauchen eine lebendige Form der Erinnerung. Sie muss Trauer über Leid und Verlust zum Ausdruck bringen, aber sie muss auch zur steten Wachsamkeit, zum Kampf gegen Wiederholungen ermutigen, sie muss Gefahren für die Zukunft bannen.“
(Roman Herzog, Bundespräsident a.D.)


Dieses Zitat unseres ehemaligen Bundespräsidenten bezeichnet treffend unsere zweitägige Studienfahrt nach Dachau und nach München. Während des Geschichtsunterrichts, in dem wir das Thema „Nationalsozialismus“ ausführlich behandelten, kam der Gedanke auf, diese Form des Gedenkens in den Mittelpunkt einer Klassenfahrt zu stellen. So planten wir gemeinsam mit unserer Klassenlehrerin Frau Seidelmann eine Klassenfahrt der etwas anderen Art.

 

Am 5. Juli 2018 machten wir, die Klasse 9a, uns mit unserer Klassenlehrerin Frau Seidelmann und mit Frau Ziegler auf den Weg nach München. Um 7:10 Uhr trafen wir uns am Bahnhof in Bühl, denn von dort aus fuhren wir mit dem Zug in Richtung München.

Um 12 Uhr kamen wir in München am Hauptbahnhof an, wo wir dann mit der S-Bahn nach Dachau weiterfuhren. Hier angekommen ging es mit dem Bus weiter zum ehemaligen Konzentrationslager. Hier wartete Herr Doktor Björn Mensing auf uns, der uns durch das KZ begleitete. Er moderierte die Führung mit Zitaten und Texten des ehemaligen jüdischen Häftlings Martin, der 1943, im Alter von 16 Jahren nach Dachau deportiert wurde.


 

Während der Führung durften wir Herrn Mensing all die Fragen stellen, die uns durch den Kopf schwirrten und uns beschäftigten. Die menschenverachtenden Gräueltaten, die sich damals hier abspielten, wurden uns noch bewusster. Am Ende der Führung versammelten wir uns in der evangelischen Kirche auf dem KZ Gelände, da Herr Doktor Björn Mensing hier evangelischer Pfarrer ist. Jeder von uns formulierte einen Abschlussgedanken und konnte als Zeichen der persönlichen Anteilnahme eine Kerze für die hier Ermordeten entzünden.

 

 

Zum Abschluss schauten wir im Kinosaal des KZs einen ergreifenden Dokumentarfilm an, welcher Aufnahmen von SS Wachmännern, aber auch Aufnahmen der Allierten kurz nach der Befreiung von Dachau zeigte. So realisierte jeder von uns noch einmal, wie schrecklich diese Zeit war und dass so etwas nie wieder in der Weltgeschichte vorkommen darf.

 

Mit Bus und Bahn ging es anschließend in Richtung Münchner Innenstadt zu unserem Hostel, welches nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt war.

 

Die Zimmer wurden aufgeteilt und wir machten uns wieder startklar, denn das Programm für diesen Tag war noch nicht zu Ende: Wir wollten natürlich alle in die Münchner Innenstadt um bummeln zu gehen. Somit machten wir uns immer in 3er-Gruppen auf den Weg und machten die Münchner Innenstadt unsicher. Nach ca. zwei Stunden Stadtfreizeit hatten auch alle tüchtigen Hunger und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu einem traditionellen Münchner Augustiner Biergarten. Hier aßen wir gemeinsam zu Abend, natürlich nicht mit einem Maßbier, sondern einem „Apfelschorle-Maß“ ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Um ca. 22 Uhr hatte dann auch jeder seine Knödel, Brezel oder Weißwurst gegessen und so liefen wir gemeinsam wieder zurück zum Hostel. Hier war nicht mehr viel von uns Schülern zuhören, denn alle waren „geflashed“ und müde von diesem eindrucksvollen Tag.

 

Am nächsten Morgen klingelten auch schon wieder um 7 Uhr unsere Wecker und wir frühstückten gemeinsam. Um 8 Uhr verließen wir unser Hostel und fuhren mit der Tram zu den  Bavaria Filmstudios. Hier planten und überlegten wir gemeinsam mit dem professionellen Regisseur Bernhard die Story für unseren Kurzfilm in dem wir, die Klasse 9a, die Hauptdarsteller sein sollten.

Im Deutschunterricht haben wir bereits einiges über die Entstehung von Filmen gelernt. Die verschiedenen Kameraeinstellungen und Wirkungen auf den Zuschauer war für unsere Planung genauso wichtig, wie die Erstellung eines Storyboards. Hilfreich hierbei war, dass wir bereits im Deutschunterricht in Kleingruppen, Themen für eine mögliche kurze Verfilmung überlegt und diese bereits in einem Skript aufgeschrieben hatten.


 

Bei der finalen Planung wurde trotzdem heftig diskutiert, welches Thema und welche Geschichte wohl die meiste Spannung und den meisten Humor in sich bergen. Wir entschieden alle gemeinsam und die Ideen eines jeden wurden berücksichtigt und entsprechend umgesetzt. Nach einer Stunde gemeinsamer Planung war schließlich die Idee für eine Actionkomödie geboren. Unser Regisseur Bernhard half uns beim Schreiben des Drehbuchs.

Nach einer kleinen Toilettenpause ging es auch schon los und wir durften uns mit vorhandenen Utensilien aus der Requisite verkleiden, sodass wir unseren Charakteren gerecht wurden. Nach wenigen Minuten war dann auch jeder seiner Rolle entsprechend verkleidet und das Drehen der einzelnen Szenen konnte beginnen.

Der Regisseur gab uns die Anweisungen, sodass wir genau wussten, was wir zu tun hatten. Zwei Schüler, Adrian und Niklas, unterstützten den Kameramann und waren somit für Bild und Ton mitverantwortlich.

Das Schauspielern machte uns allen viel Spaß. Manch schüchterner Schüler wuchs in seiner Rolle über sich hinaus und überzeugte als Gangster oder gewitzter Passant.

Jeder Schüler übernahm eine wichtige Rolle und trug so am Ende zu einem tollen Resultat bei.

Nach zwei Stunden „Film drehen“ machten wir eine Mittagspause und bekamen anschließend eine Führung durch die Bavaria Filmstudios. In dieser Zeit wurde aus unserem Drehmaterial unser Klassenfilm geschnitten. Wir bekamen einen Einblick hinter die Kulissen und es wurde uns erklärt, wie besondere Effekte beim Film eingesetzt und wie überhaupt „Special Effects“ produziert werden.



Interessant war für uns einen Blick in das Klassenzimmer des angesagten Kinofilms „Fack yu Göhte“, und hinter die Kulissen des an Ostern angelaufenen Kinofilms von „Jim Knopf“ zu werfen. Beklemmend war die Besichtigung des U-Boots aus „Das Boot“. Hier konnte man am eigenen Leib die Enge und Wärme spüren, die die Schauspieler während dieses Drehs wohl erlebten. „Das Boot“ zählt zu den bedeutendsten Kinofilmen, die in den Bavaria Filmstudios gedreht wurden und weltweit Anerkennung fanden.

Wer danach sich lieber in die Lüfte erheben wollte, konnte dies auf dem Rücken des Drachens Fuchur tun, der in „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende eine Hauptrolle spielte.

Nach der Führung trafen wir uns im Kinosaal und schauten dort die Premiere der "Cabanossibande“ an, unseres Klassenfilms. Stolz applaudierten wir am Ende der Vorstellung und mussten an einigen Stellen heftig lachen über unsere Verfilmung.

Voller neuer Eindrücke, aber auch erschöpft und müde traten wir um 17.30 die Heimreise mit der Bahn an. Um 22 Uhr wurden wir von unseren Eltern in Bühl am Bahnhof in Empfang genommen.

 

Hiermit möchten wir die Klasse 9a uns herzlich bei unserer Klassenlehrerin Frau Seidelmann bedanken, die diese lehrreiche Studienreise organisierte und plante und natürlich auch bei Frau Ziegler, die unsere Klasse in diesen zwei Tagen begleitete.


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Text: Marie Müller, Tanja Seidelmann, Bilder, T. Seidelmann, Web: O. Frietsch, 07/2018