Das BioLab zu Besuch in unserer Schule

Auf der Spur der DNA

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Das so genannte BioLab, ein rund 850 000 Euro teures Labor auf einem Sattelzug, machte Anfang Mai im Schulhof unserer Realschule Station. Das rollende Forschungslabor wurde von der Stiftung Baden-Württemberg ins Leben gerufen und informiert seit 2003 Schulen im ganzen Land über Fragen der Genetik und ihrer Anwendung, z.B. im Bereich der Biotechnologie.

Nachdem der 30-Tonner seine endgültige Parkposition vor der Grundschule eingenommen hatte, versammelten davor schnell Schülerinnen und Schüler, um neugierig einen Blick ins Innere zu werfen. In drei Durchgängen von je drei Stunden am Vor- und Nachmittag durften dann Gruppen von je zwanzig Schülern der neunten Klassen an den Laborplätzen im Bus in praktischer Arbeit Geheimnisse der Genetik untersuchen.

Nachdem sich die Neuntklässler im ersten Halbjahr im Biologieunterricht mit der Genetik, die als die Zukunft bestimmender Biologiezweig gilt, beschäftigt hatten, bot sich dieser praktische Teil im rollenden Labor als Ergänzung an. Die Geräte, die im BioLab zur Verfügung stehen, können aufgrund der hohen Kosten in den Schulen normalerweise nicht angeschafft werden.

Vor jedem Praxisabschnitt aktivierte einer der drei Mitarbeiter des BioLab das nötige Wissen. Da im BioLab entsprechend den Laborbedingungen der Sicherheitsstufe Eins gearbeitet wird, folgten noch die Sicherheitsbelehrungen, bevor jeder Teilnehmer mit Laborkittel, Handschuhen und Schutzbrille ausgerüstet wurde.

Mit viel Eifer gingen die "Laboranten" dann daran, die DNA von E.-Coli-Bakterien, die beispielsweise im menschlichen Darm vorkommen, aus einer Nährlösung zu isolieren. Da wurde Flüssigkeit in Glasröhrchen pipettiert, mit Chemikalien versetzt, erwärmt, mit Alkohol überschichtet, um schließlich ein kleines weißes Klümpchen DNA aufwickeln und begutachten zu können.

Die Frage, ob man so etwas schon einmal gegessen habe, verneinten die meisten Schüler entsetzt. Wir nehmen jedoch, so die Information, mit der Nahrung täglich ein bis zwei Gramm DNA zu uns, die ja in jeder Zelle enthalten ist. Der Körper zerlegt sie aber in die einzelnen Grundbausteine und baut diese zu eigener DNA um. Anschaulich sprach der Wissenschaftler von "der ältesten Sprache der Welt, die alle Lebewesen von den Bakterien bis zu den Menschen verstehen."

Im zweiten Praktikumsabschnitt beschäftigten sich die Teilnehmer dieses besonderen NWA-Unterrichts mit der sogenannten Agarose-Gelelektrophorese, bei der DNA-Abschnitte in einem Trägermaterial in einem elektrischen Feld unterschiedlich schnell wandern und dann als Bandenmuster sichtbar werden. Dieses Verfahren wird heute eingesetzt, um genetische Spuren bei kriminellen Delikten zu überprüfen. Die Kriminalgeschichte von der toten Anna und den drei Tatverdächtigen konnte dann nach Auswertung dieses Versuchs durch die Laboranten der Klassenstufe 9 erfolgreich gelöst werden.  

Eine Rückfrage bei den neugierigen Teilnehmern brachte durchweg positive Ergebnisse. Jasmin (9c) meinte stellvertretend für alle: "Es war ein interessanter Vormittag. Mir hat es Spaß gemacht, die Laborarbeit kennen zu lernen." Auch Lorena war angetan: "Dass man so mal DNA richtig sehen konnte, fand ich beeindruckend."

Nach diesen Erfahrungen werden die Biologielehrer Ralf Heiß und Alrun Herwig im nächsten Jahr wohl noch einmal versuchen, den BioLab-Bus für unsere Schule zu buchen.

 

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A. Herwig 5/2010      Fotos: Wagner, Web: O. Frietsch