Elterninfo-Abend für die Klassenstufe 6 der Realschule Rheinmünster

Gefahren im Internet

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Oberkommissar und Jugendsachbearbeiter Karlheinz Biereth und  Kommissar Bernhard Schölzel, beide vom Polizeirevier Bühl, infor­mierten die Erziehungsberechtigten der Klassenstufe 6 der Realschule Rheinmünster bei einer Informationsveranstaltung über die „Gefahren im Internet“. Kompetent und ausführlich konnten die beiden Experten den interessierten Besuchern und dem Lehrerkollegium der Realschule ein Thema veranschaulichen, das mittlerweile bei Erziehern, bei den Ermittlungsbehörden und in der Politik zur erhöhten Aufmerksamkeit und Wachsamkeit Anlass gibt.

Die Aufklärungskampagne der beiden Polizeikräfte begann zunächst dort, wo häufig die Zielgruppe der Internetopfer liegt. Die Schülerinnen und Schüler der Realschule Rheinmünster wurden mit einem vom SWR produzierten Film konfrontiert. „Angriff im Netz“ erzählt eindrucksvoll die Geschichte eines Mädchens, das im Internet durch ein „gefaktes“ Profil bloßgestellt und daraufhin von ihren Schulkameraden „gemobbt“ wird. Ein Mitschüler hatte das Handy des Mädchens gefunden und ihre privaten, zum Teil etwas pikanten Fotos, ins Netz gestellt. Bei der anschließenden Auseinandersetzung und Diskussion zum Aufklärungsfilm wurde den Jugendlichen schnell klar, dass dieses Verhalten keinesfalls akzeptiert werden kann, weil es dies verbrieften Persönlichkeitsrechte eines Mitmenschen verletzt.

Den Eltern wurden im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe bei einer Abendveranstaltung in der Schule die harten Fakten zum Missbrauch des Internets präsentiert. Statistiken lieferten schwindelerregende Zahlen aus der Welt des World Wide Web, das seinen Boom zwar erst seit 1998/99 erlebt, mittlerweile aber über 250 Millionen Webseites, über 1,5 Billionen Nutzer und fast 100 Trillionen Mails pro Jahr verzeichnet. Und die Kinder mischen fleißig mit! Bereits 77% der Kids besitzen einen eigenen PC oder ein eigenes Laptop, 55% haben einen eigenen Internetzugang, der tägliche Umgang mit dem Internet ist für die meisten selbstverständlich geworden. Diese Angaben zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen stammen aus der „KIM-“ bzw. „JIM-Studie“, die im Internet verfügbar sind und den Eltern von Seiten der beiden Polizisten als Aufklärungsmaterial  wärmstens ans Herz gelegt wurden: „78% der Eltern wissen nicht, was ihre Kinder im Internet machen!“ Domain, Account, Community, Chat, dotcom, filesharing sind Begrifflichkeiten, hinter denen bisweilen ungeahnte Gefahren lauern.

Gefahrenschwerpunkt liegen in der Darstellung von Gewalt und Pornographie, bei Computerspielen und der damit verbundenen Suchtgefahr, beim  illegalen  Herunterladen von Musik und Filmen sowie bei „der regelrechten  Abzocke bei Onlineverträgen“, so die Ausführungen von Kommissar Karlheinz Biereth. Vieles wird den Kindern leicht gemacht und ist darüber hinaus kostenlos zugänglich. Ein Häkchen an der richtigen Stelle oder Mausklick bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder der Altersangabe seien schnell gemacht. Kinder, insbesondere in Zeiten ohne Aufsicht und Betreuung, könnten im Netz Bilder und Filme betrachten, die sie einfach noch nicht verkraften können. Unbewusst werden Verträge abgeschlossen, die für die Eltern richtig teuer werden können.

Tipps zu einer notwendigen Hinschaukultur und hilfreiche Hinweise zum eigenen Verhalten standen am Ende eines besonderes Aufklärungsabends:  „Wenn Ihr Kind am PC sitzt und danach zum Fußball oder ins Schwimmbad geht, dann ist das kein Problem. Wenn es aber täglich stundenlang vor dem PC sitzt und nichts anderes mehr machen will, dann stimmt etwas nicht“, mahnte Oberkommissar Biereth. „Sie können Ihre Kinder nur schützen, wenn Sie selbst mitreden können. Zeigen Sie Interesse, informieren Sie sich, erwerben Sie Kompetenz, mischen Sie sich ein!“, so der Appell von Kommissar Schölzel, Rauschgiftsachbearbeiter im Polizeirevier Bühl , ein „Crack“ in Sachen Internet und selbst Vater von zwei heranwachsenden Kindern. Am global ausgebauten Internet kommt man heute nicht vorbei. Allerdings müssen sich die Erzieher und andere Verantwortliche kritisch damit beschäftigen und eine breite Sachkompetenz erwerben. Das Internet in einer Zeit der technologischen Revolutionen zu verteufeln, wäre der falsche Ansatz. „Wir müssen aber lernen, die Möglichkeiten des Netzes richtig und zu unserem Vorteil zu nutzen“, so das Fazit am Ende der Informationsveranstaltung in der Realschule Rheinmünster.

Klassenlehrer Werner Hollenberger, der die Veranstaltung organisierte, bedankte sich im Namen der Schule und der Eltern mit Präsenten bei den fachkundigen Referenten. Mit Bedauern nahmen die Zuhörer zur Kenntnis, dass Elternabende dieser Art aufgrund der personellen Ressourcen der Polizei in Zukunft fraglich werden, obwohl sie für die Schüler und Eltern notwendig seien.

 

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R.Wagner / O. Frietsch 7/2011              Foto: Lott          Web-AG: Daniela Beerens