Ein Novemberlicht erstrahlt in der Aula der Realschule Rheinmünster

Zwi Sproche hen sich droffe – Elsässisches und Alemannisches

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Jedes Jahr im Herbst treffen sich in der Kulturreihe „Novemberlicht“ Künstler von beiden Seiten des Oberrheins, um in ihrer jeweiligen Heimatsprache, mal im elsässischen Dialekt oder in alemannischer Mundart, über die alltäglichen Themen des einfachen Lebens zu reflektieren.

Dass bei dieser Betrachtungsweise der Humor und Spaß nicht außen vor bleiben darf, bewiesen die Darsteller auch in diesem Jahr. Gleich zwei markante Vertreter der befreundeten Nachbarregionen traten in unserer Aula auf, die an diesem Abend vom Förderkreis unserer Schule nicht nur eingerichtet wurde, sondern der auch die Verköstigung der zahlreichen Gäste mit Speisen und Getränken übernahm.

Die elsässische Liedermacherin Isabelle Grussenmeyer, die vor 20 Jahren von René Egles, dem Altmeister der elsässischen Dialektliedkunst entdeckt und gefördert wurde, steht mittlerweile ganz oben auf der Popularitätsskala der Freunde „für d’elsassisch Sproch und Kultur“. Die in „Hawena“ (Haguenau) geborene Lehrerin für Deutsch und Französisch kommt zwar von „driwwe“, singt aber meist „hiwwe“ bei uns im badischen Raum, zumal die Sprachen durch ihre Verwandtschaft keinerlei Verständigungsprobleme bieten. Ihre poetischen Betrachtungen kamen beim Publikum sehr gut an, weil sie immer wieder den Bezug zum heimatlichen Lebens- und Erlebnisraum findet, sei es in Liebesliedern, in Bluesklängen oder gar in kritischen Anmerkungen zu unserem hektischen Alltag. „Unsre Sproch muss iwerlabbe“ – und die elsässische Sprache wird überleben! Dafür greift sie sogar zur E-Gitarre (passend zum Rock angeschafft!) und mahnt in schon rockiger Form für mehr Selbstbewusstsein, wo andere nur „wege de Litt“ ihr Handeln ausrichten. 

Die in Brumath unterrichtende Lehrerin wurde beim Liedertreffen „Novemberlicht“ von Adrien Geschickt am Kontrabass und von Thomas Etterlé am Theremin begleitet. 

 

Das selten gespielte Instrument "Theremin" geht auf den russischen Ingenieur Lev Termen zurück, der eine elektronische Wellengeige zu Beginn des 20. Jahrhunderts konstruierte, die ohne körperlichen Kontakt Töne erzeugen kann.

Allein schon der Auftritt dieses Trios wäre eine alleinige Abendveranstaltung wert gewesen und wurde mit überaus herzlichem Beifall bedacht. Ohne Zugabe kamen Isabelle Grussenmeyer und ihre zwei Begleitmusiker nicht davon.

Nach einer halbstündigen Pause folgte Teil 2 beim Novemberlicht in der Aula unserer Schule. Das im badischen Raum sehr populäre Spitzentrio „Goschehobel“, ein Urgestein der rechtsrheinischen Folk-Rock-Szene, mischte das Publikum noch einmal kräftig auf, getreu nach ihrem Motto im „Hängemattlied“: Genieß’ jede Stund, genieß jeden Tag. 

Der Schulleiter der Realschule, Herr Krippl, leitet den zweiten Teil der Veranstaltung ein.

 

Urban Huber-Wölfle und Eberhard Jäckle kommen aus dem Kinzigtal und werden vom E-Gitarristen Oliver Fabro, der vom Hochrheingebiet stammt, musikalisch verstärkt. Huber-Wölfle trägt mit seiner „Goschehobel“ (Mundharmonika) in vielen Stücken zum rockigen Flair des Trios bei. 

 

Vom Xylophon, über Gitarren und Mundharmonika, Tamburin, Mandoline und Schlagzeug beherrschen die drei Vollblutmusiker jedes Musikinstrument für ihre Mundartlyrik, die von  viel Humor, Witz und Anspielungen geprägt ist. Selbst Anklänge an den Erzähler Wolfgang Borchart (Stell dich mitten in den Wind) oder das Drama um die anschaffende Maria (Maria) wirken bei diesem Trio weder aufgesetzt noch belehrend. Sie erzählen von Geschichten aus dem Alltag, die man einem interessierten Publikum nur vorstellen kann, wenn man seine Mitmenschen auf sympathische Art und Weise beobachtet bzw. selbst Erfahrenes kolportieren kann. Wie man Werbung als Nonsens entlarvt, zeigen sie im Schleichwerbungsbeitrag „Geiz ist geil“ – (Neukauf macht den Weg dir frei, kauf’ dann beim Aldi ein). Im Rückblick in Erinnerungen schwelgend und die bereits in die Jahre gekommenen Besucher ansprechend, stellten sie nochmals „A sommer in de 60er Johr“ vor. Wer von den alten Zeiten schwärmt, hat natürlich Probleme mit den Errungenschaften der aktuellen Neuzeit. Ein Handy und seine bisweilen skurrilen Folgen werden im Lied „Früher war Willi einfach fort, wenn er nicht da war“ auf die humorvolle und gleichzeitig nachdenklich stimmende Schippe genommen. Ganz auf den Heimatraum Kinzigtal bezogen geht das Trio auch in die Jugendzeit auf dem Land ein: „Der Macho vom Oberdorf“ ist sich nicht zu schade, mit dem Traktor auf Brautschau zu gehen. Ein sehr langer, doch jederzeit vergnüglicher Novemberlicht-Abend ging mit vielen Zugaben zu Ende, und schloss nach über drei Stunden elsässischem und alemannischem Liedgutvortrag mit der Beteiligung eines mitgehenden Publikums im Kultsong der „Goschehobel“ „Nack, nack, nackig am Baggersee“.


Noch einige Eindrücke:

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R. Wagner / O. Frietsch 11/2010 Fotos: Wagner