Bedrückende Geschichtsexkursion – Auf den Spuren der Nazi-Diktatur

 

Lehrfahrt zum KZ Natzweiler-Struthof

 

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Anfang Oktober unternahmen alle Zehner eine Lehrfahrt zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, eine Gedenkstätte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945. Das Lager liegt ca. 50 km südwestlich von Straßburg in den elsässischen Vogesen, im Hohwald am Champ de Feu in rund 820 Meter Höhe.

 

Das Lager wurde 1941 als so genanntes „Schutzhaftlager“ für etwa 1500 Häftlinge eingerichtet. Weil der Geologe und SS-Standartenführer Blumberg oberhalb des Lagers auf besonderen Granitstein aufmerksam wurde, wollten die Nazi-Herrscher mithilfe eines Arbeitslagers im nahen Steinbruch wertvolles Baumaterial abbauen lassen. Kurz vor der Evakuierung nach Dachau (bei München) im Herbst 194schwoll die Zahl der Gefangenen auf 7000 an.

 

Das Lager war im engeren Sinn kein Vernichtungslager (wie die Lager in Polen), sondern diente als Straf- und Arbeitslager, das auf „natürliche Art und Weise“ die politischen Gefangenen, die Zeugen Jehovas, die Assozialen, die Kriminellen, die Homosexuellen, die Emigranten und die Widerstandskämpfer dezimieren sollte.

 

Insgesamt hielten die SS-Wächter bis November 1944 rund 52 000 (einschließlich Außenlager) Menschen, vorwiegend Männer, gefangen, von denen ca. 22.000  die Gefangenschaft nicht überlebten.

 

 

Besonders grauenhaft war ein Vorfall aus dem Jahr 1943. Prof. Dr. August Hirt, Präsident der Anatomie der Reichsuniversität Straßburg, verlangte in einem Schreiben an den Reichsführer der SS Heinrich Himmler 85 „jüdisch-bolschewistische Kommissare“ für medizinisch notwendige Experimente. Der Antrag wurde ausgeführt. Die aus Ausschwitz kommenden Männer und Frauen wurden in der kleinen Gaskammer auf dem Struthof, die speziell wegen der Anforderung aus der Anatomie Straßburg eingerichtet wurde,  getötet und vom damaligen Lagerkommandanten Joseph Kramer den Ärzten aus Straßburg persönlich übergeben. Nach der Befreiung durch Amerikaner und Franzosen fand man im Keller der Universität die in Lauge gelagerten Leichenteile, Dokumente und Bilder belegen diesen Sachverhalt.

 

In Klassengruppen aufgeteilt, konnten die Besucher unserer Realschule das KZ in Stationen erfahren lernen. Der Eingangsbereich, die Wachtürme mit Elektrozäunen,

der Zellenblock, die Aschegrube, das Krematorium, der Appellplatz mit Galgen und das Haus des Kommandanten (Kramer-Villa) wurden als Erklärungspunkte angelaufen und mit einem Kurzreferat durch Schüler oder Lehrkräfte vorgestellt. Mit großem Ernst und respektvoller Betroffenheit begegnete man einem Teil der deutschen Geschichte, der wohl zu den düstersten Kapiteln unserer Vergangenheit zählt.

 

 

An diesem nasskalten und nebligen Oktobertag war allen Teilnehmern bewusst geworden, dass sich dieser Teil unserer Geschichte nie mehr wiederholen darf.

 

 

Deshalb ist auch der Eintrag von Sarah S. (Klasse 10a) im Namen aller Schüler der RS Rheinmünster ins Besucherregister des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof als eine Mahnung und Aufforderung zugleich gedacht: „Wir wollen in Frieden und in Freiheit miteinander leben. Dieser Teil der  Geschichte darf sich nie wiederholen, dafür wollen wir eintreten.“

 

 

Die begleitenden Lehrkräfte R. Schemel, B. Koch und R. Wagner

bedanken sich bei allen Schülerinnen und Schülern der Stufe 10  2013/14

für eine aufgeschlossene, der Situation angemessene und respektvoll

durchgeführte Lehrfahrt ins KZ Natzweiler-Struthof.

 

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R. Wagner/O. Frietsch, Web-AG: Jannik Seiler, 10/2013