Tourneetheater „Weimarer Kultur-Express“zu Gast in der Realschule Rheinmünster

Suchtgefahr durch Computernutzung

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Die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 und 8 der Realschule Rheinmünster wurden an diesem Schulvormittag im September in der Schwarzacher Festhalle bei der Vorstellung des Zwei-Personen-Stücks „Sprich mit mir!“ immer leiser und nachdenklicher, weil die Szenen des 90 Minuten dauernden Bühnenwerks an die Probleme vieler Heranwachsender erinnerten.

 

 

 

Jule, mit ihren 15 Jahren mitten in der Pubertät, findet nach einem Umzug weder in ihrem neuen sozialen Umfeld noch in ihrer berufstätigen, allein erziehenden Mutter notwendige Gesprächspartner. Die stets gestresste und zeitlich überforderte Mutter, wie auch die neuen Klassenkameradinnen sprechen nicht mit ihr. Ein zum Geburtstag erhaltener Laptop wird zum Ausweg für Jule. Beim Surfen und Chatten findet sie die vermeintliche Hilfe. Immer tiefer gleitet die Heranwachsende in eine virtuelle Welt ab, die nichts mehr mit einer Realität gemeinsam hat. Dabei bleiben die Konflikte mit der Mutter nicht aus, die Aggressionen nehmen zu. Deutlich können die jungen Zuschauer die Veränderungen bei dem Mädchen beobachten. Kommunikationsprobleme, Aufbau von Lügengebäuden, Geldbetrügereien gehen über in körperliche Symptome: Jule zeigt Suchtmerkmale. Ihre extreme Nervosität, ihre körperlichen Gebrechen und ihre Gewaltbereitschaft enden in einer Katastrophe. Der schwere Zusammenstoß mit einem Auto zwingt sie zu einem zweimonatigen Krankenhausaufenthalt, der sie nachdenklich stimmt und zu einer Neugestaltung ihres Lebens bekehrt. Ein neues soziales Umfeld und eine Therapie sollen ihr helfen, aus der nur noch virtuellen Welt des Internets und verwandter Medien auszusteigen und zur Realität zurückzufinden.

 

Die dreizehn - und vierzehnjährigen Schülerinnen und Schüler, sowie zahlreiche Lehrkräfte, waren am Ende des Theatervormittag von den Schauspielerinnen des Weimarer Kultur-Express und dem aufrüttelnden Thema mehr als nur beeindruckt.

 

Wenn Liebe, Zuneigung, Freundschaft und Kommunikation versagt bleiben, können Ersatzwelten in die Irre führen. Alkoholprobleme, Essstörungen und übermäßiger Medienkonsum sind häufig nur Fluchtreaktionen aus der realen Welt, die es zu meistern gilt. Ein überschaubares Leben in einer intakten Gemeinschaft hilft uns allen, Jugendlichen und Erwachsenen, den vielfältigen Suchtgefahren zu trotzen, so das Fazit der Schauspielerinnen und einer diskussionsfreudigen Schülerschaft am Ende eines besonderen Unterrichtstages in der Schwarzacher Festhalle.

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R. Wagner / O. Frietsch 10/2010 Fotos: A. Herwig Web-AG: Kai Weber/ Lorena Hammer