Urgesteine verlassen die Realschule Rheinmünster - Drei verdiente Lehrkräfte verabschiedet

120 Dienstjahre gehen in Pension

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Mit einer besonderen Feierstunde verabschiedete sich zum Ende des Schuljahres die Realschule Rheinmünster von drei verdienten Lehrkräften, die als langjährige Mitglieder des Rheinmünsteraner Kollegiums die Mittelpunktschule im Ortsteil Schwarzach maßgeblich mitgeprägt haben. Mit Realschullehrerin Christel Wurster, Realschullehrer Jürgen Reichert und Realschullehrer Helmut Restle verliert die Schulgemeinde drei Urgesteine ihrer pädagogischen Entwicklung.

Die Feierlichkeiten zur Verabschiedung begannen dort, wo alle drei Pädagogen häufig ihre Abschlussklassen auf die Zeit nach der Realschule einstimmten. Der feierliche Rahmen des Schwarzacher Münsters bildete die Kulisse für eine Abschiedsmesse der besonderen Art. Im Beisein des Kirchenrats i. R. Dr. Hans Maaß und des Schuldekans Nikolaus Wisser, die beide die Biografien der Pensionäre Revue passieren ließen, erlebte das vollständig versammelte Lehrerkollegium und viele Weggefährten als Gäste des Gottesdienstes nach insgesamt 120 gemeinsamen Dienstjahren der drei Lehrkräfte eine gebührende und feierliche Verabschiedung aus dem aktiven Schuldienst.

Realschullehrerin Christel Wurster, die neben der ersten Dienststelle in Bühl annähert 30 Jahre in Rheinmünster tätig war, erweiterte ihre Lehrertätigkeit mit einem vierjährigen Auslandsaufenthalt an der Deutschen Schule in Johannesburg / Republik Südafrika. Die sprachbegabte Pädagogin für Deutsch und Französisch bildete zahlreiche Junglehrer aus, war maßgeblich am Projekt „Lerne die Sprache des Nachbarn“ beteiligt und baute in Schwarzach die Schulbibliothek zu ihrem heutigen Bestand aus. Bei der Umstrukturierung der Abschlussprüfung Französisch an Realschulen arbeitete sie engagiert und fachkundig mit, die so genannte DELF-Prüfung, eine zusätzliche sprachliche Qualifikation in der Fremdsprache Französisch führte sie an der Realschule Rheinmünster ein. Bis zu ihrer Pensionierung blieb Christel Wurster dank ihrer überaus ausgeprägten Bereitschaft zur Fortbildung stets auf dem neuesten Stand der fachlichen Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen an einer weiterführenden Schulart.

Jürgen Reichert , tief verwurzelt in der Vimbucher Kirchengemeinde, geht nach über 40 Dienstjahren, seit 1973 in Rheinmünster tätig, ebenfalls in den Ruhestand. Der gelernte Chemie- und Religionslehrer hinterlässt in seinen Fachbereichen und im Kollegium eine große Lücke, ist er doch der Mitinitiator der Zusammenarbeit mit dem Chemieunternehmen DOW. Das alljährlich wiederkehrende Chemie-Projekt gilt landesweit in Baden-Württemberg als Aushängeschild einer effizienten und geglückten Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft. Nachdem in den 80-iger Jahren die Computer Einzug in die Schulen nahmen, bildete sich der Naturwissenschaftler Jürgen Reichert auch auf diesem Gebiet zum Spezialisten fort. Unter seiner Regie entwickelte sich die Bildungseinrichtung in Rheinmünster zu einem Vorreiter der informationstechnischen Grundbildung im Schulamtsbezirk. Als Administrator der Schulanlage betreute er nun zum Ende seiner aktiven Schulzeit in mehr als drei Computerräumen insgesamt 70 gut ausgestattete PC-Arbeitsplätze.

Seine Gottesdienste zum feierlichen Jahresabschluss, mit Gospel-Klängen, Fürbitten und Meditationssequenzen, waren am Ende eines Schuljahres für alle Entlassschüler und deren Angehörige eine prägende und stilvolle Feierstunde zum Ende der Schulzeit. Sein pädagogisches Einfühlungsvermögen und seine menschliche Art im Umgang mit Heranwachsenden stellte er immer wieder als Klassenlehrer unter Beweis, dies wurde von vielen Schülerjahrgängen geschätzt.

Nicht nur im musischen Bereich hinterlässt der für evangelische Religion und Musik zuständige Realschullehrer Helmut Restle eine große Lücke. Der weit über die Schulgemeinde hinaus bekannte Pädagoge gestaltete als passionierter Orgelspieler mit Stücken von Johann Sebastian Bach, Max Reger oder Dietrich Buxtehude die feierliche Verabschiedung der Lehrkräfte im ehrwürdigen Münster in Schwarzach selbst mit. Der besondere Rahmen der Verabschiedung war ein prägendes Zeichen der Leistungen des aus Karlsruhe stammenden Lehrers, stellte Rektor Nikolaus Krippl in seinen Dankesworten zur Arbeit des langjährigen Kollegen am Ende der Feierlichkeiten zur Verabschiedung fest. Der gelernte Deutsch- und Musiklehrer, der zusätzlich die Qualifikation für evangelische Religionslehre (Vocatio) ablegte, gilt in Rheinmünster als Vorreiter zahlreicher pädagogischer Standardeinrichtungen. Erstmals führte er mehrwöchige Schullandheimaufenthalte, Musikfreizeiten, Studienfahrten oder Theatertage an seiner langjährigen Schule ein.

Generationen von Jungmusikern, die heute in den örtlichen Musikvereinen als Mitglieder der Blaskapellen agieren, verfeinerten ihre Spielkunst bei ihm und erinnern sich gern an die außerunterrichtlichen Chor- und Blasmusiktage im Musikzentrum Kürnbach. Alle schulischen Feierstunden standen unter seiner musikalischen Regie und wurden von ihm maßgeblich geprägt. Auch außerhalb seiner eigentlichen Lehrertätigkeit engagierte sich Helmut Restle im pädagogischen Umfeld. Als Fachberater im Schuldekanat Kehl bildete er Junglehrer heran, als Gewerkschaftsvertreter im örtlichen Personalrat setzte er sich für die Interessen seiner Kolleginnen und Kollegen ein.

Ehemalige Schülerinnen und Schüler, die z. T. vor mehr als dreißig Jahren in Rheinmünster eine Mittlere Reife ablegten, gestalteten zur Überraschung aller Gäste die feierliche Verabschiedung der drei Lehrkräfte mit Wort- und Gesangsbeiträgen humorvoll und launig mit und bewiesen so ihre besondere Verbundenheit mit den zukünftigen Pensionären .

„Die Schule in Schwarzach wird es schwer haben, diese Lücken zu füllen“, stellte Rektor Nikolaus Krippl am Ende einer gelungenen Verabschiedungsfeier mit wehmütigen Worten für drei Rheinmünsteraner Urgesteine der pädagogischen Arbeit fest.

 

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R. Wagner, 07/2010, Web-AG: Frietsch 09/2010